„Ich weiß wie unfassbar viel da dranhängt, wie viel man
sich dafür trauen muss, wie viel man auch riskieren muss, wenn man das machen
möchte, was man macht und deswegen möchte ich einfach nur die Message rausspreaden:
Mach wodrauf du Bock hast! Ignoriere einfach mal die anderen Leute! Einfach mal
Yolo durchs Leben gehen, denn wenn man ständig auf die anderen Leute hört, dann
bockt das Leben nicht und dann endet man irgendwann alleine und verzweifelt in
irgendeiner Ecke und bereut, dass man nicht das gemacht hat, was man machen
möchte. Und deswegen: durchziehen und nicht aufhören!“ sind die Worte, die Luis
und Maxim uns mitgeben für alle Lesenden da draußen.
Gerade für alle jungen Menschen, die mit vielen
Unsicherheiten in ihren Alltagsrealitäten aufwachsen, ist der Aufruf spontane Chancen
zu ergreifen (yolo), ein Weg Selbstermächtigung zu spüren. Spontanität wird sehr
bedeutsam – das können "Cringe und Lost" gleich auf mehreren Ebenen bestätigen. Auf
die Frage, wie sie zu ihren Songthemen kommen, lachen Maxim und Luis kurz und
geben dann preis, dass sie vor einem der Musikworkshops, die von Tino Bartos in
Rahmen von unterschiedlichen Pop To Go-Projekten geleitet werden, eigentlich
nicht wissen, worüber sie später singen werden, sondern der Schreibprozess
bereits sehr situativ ist und aktuelle Problemlagen der Teilnehmenden spontan aufgreift.
So entstand an einem sommerlichen Tag ein Song mit der Zeile „es sind 28 Grad
und wir machen die Nacht zum Tag“, während die Songs, die sich mit Mobbing in
Schulen auseinandersetzen, die 3 Bandmitglieder fortwährend begleiten.
Tino Bartos, Projektleiter bei Pop To Go-Projekten in
Mecklenburg-Vorpommern, Mentor der Band und selbst erfolgreicher Rapper, lebt
es ihnen vor: mit seinem mobilen Tonstudio verzichtet der Rapper in den musikalischen
Parts der Projekte sehr bewusst auf chronologische Song-Writing-Sessions,
vielmehr lässt er die Teilnehmer:innen ganz spontan ins Mikrofon rappen –
„Gedanken aufnehmen“, nennt Tino das. Der Hintergrund: Die Hemmschwelle,
besonders für unerfahrene Teilnehmer:innen, soll niedrig bleiben. Erste kleine
Erfolge motivieren – und machen Mut, weiterzumachen.
Die Band "Cringe und Lost" verkörpert den Situationsansatz
und die Idee von Spontanität so konsequent, dass sich diese Haltung auch in
ihren Bühnenauftritten widerspiegelt.
Sie verzichten bewusst auf durchchoreografierte Performances oder streng
festgelegte Abläufe. Stattdessen lassen sie Raum für das, was im Moment
entsteht: spontane Interaktionen mit dem Publikum oder improvisierte Übergänge.
So entsteht bei jedem Auftritt etwas Einmaliges – etwas, das genau so nur in
diesem Moment funktioniert. Musik, so wird es deutlich, ist für "Cringe und Lost" nichts Aufgesetztes, nichts Gespieltes. Hier wird gelebt, gefühlt, reagiert.
Projektinfos:
Derzeit arbeitet die Band gemeinsam in dem Pop To Go-
Projekt „Tatort Schule“ in Bützow. „Cringe und Lost“ haben sich vor einigen
Jahren ebenfalls in einem Pop To Go-Projekt kennenelernt. Die Idee des Pop To Go-Projektes ist es Musikworkshops
mit Theaterworkshops zu verzahnen und partizipativ ein Musiktheater zu
erarbeiten. „Tatort Schule“ ist ein Kooperationsprojekt zwischen den
Bündnispartner Pop KW, Käthe-Kollwitz Schule Bützow, Nopper Netzmontagen GmbH
und der Schule mit Förderschwerpunkt Lernen.